ab dem Jahr 1905:
Die folgende Chronik beschreibt wichtige Stationen der jüngeren Geschichte von Rohrau, heute Ortsteil
der Gemeinde Gärtringen im Landkreis Böblingen.
1905–1909 Das elektrische Licht kommt nach Rohrau:
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Rohrau noch ein kleines, stark landwirtschaftlich geprägtes Dorf.
Die meisten Familien lebten von Ackerbau, Viehzucht, Waldarbeit sowie vom Abbau und Verkauf von Sand, Gips und Sandstein.
Zwischen 1905 und 1909 hielt die Elektrizität in Rohrau Einzug. Zuvor wurden die Häuser, Ställe und Werkstätten
hauptsächlich mit Petroleum- und Öllampen beleuchtet. Das elektrische Licht bedeutete für die Einwohner einen wichtigen
Schritt in die moderne Zeit.
1914–1918 Der Erste Weltkrieg:
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurden zahlreiche Männer aus Rohrau zum Militärdienst eingezogen. Auf den Bauernhöfen
mussten Frauen, ältere Menschen und Jugendliche einen großen Teil der schweren Arbeit übernehmen.
Lebensmittel, Kleidung und Brennstoffe wurden knapp. Gefallene und vermisste Soldaten hinterließen in vielen
Familien große Trauer. Das örtliche Ehrenmal erinnert bis heute an die Opfer der Weltkriege.
Die 1920er-Jahre:
Langsame Modernisierung
In den Jahren nach der Inflation verbesserte sich das tägliche Leben allmählich. Handwerk, Landwirtschaft und
kleinere Nebenerwerbsbetriebe prägten weiterhin das Dorf.
Eine besondere Bedeutung hatten die Rohrauer „Sandbauern“. Sie bauten Sand, Gips und Rhätsandstein ab und transportierten
das Material mit großem körperlichem Einsatz zu ihren Kunden. Die erhaltene Sandmühle und die Alte Schmiede erinnern
heute an diese schwere Arbeitswelt.
23. Oktober 1932 Gründung des Sportvereins Rohrau:
Am 23. Oktober 1932 wurde im Gasthaus „Löwen“ der Sportverein Rohrau gegründet. An der Gründung beteiligten sich 21 Männer.
Der Verein entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer wichtigen Gemeinschaft des Ortes. Sport, Kameradschaft,
Jugendarbeit und ehrenamtlicher Einsatz verbinden seitdem viele Generationen von Rohrauer Bürgerinnen und Bürgern.
1939–1945: Der Zweite Weltkrieg
Der Zweite Weltkrieg brachte erneut Einberufungen, Entbehrungen und große Sorgen über Rohrau. Viele Männer
mussten ihre Familien und Arbeitsplätze verlassen. Auf den landwirtschaftlichen Betrieben fehlten Arbeitskräfte;
Lebensmittel und andere Waren wurden rationiert.
Am 2. Januar 1945 wurde im Raum Rohrau ein Flugzeug abgeschossen. Gegen Ende des Krieges rückten amerikanische
Truppen in die Region vor. Für viele Familien endete der Krieg mit Trauer um gefallene oder vermisste Angehörige.
1945 Kriegsende und Neubeginn:
Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches begann unter schwierigen Bedingungen der Wiederaufbau. Rohrau lag in der
amerikanischen Besatzungszone und gehörte zunächst zum neu geschaffenen Land Württemberg-Baden.
Heimkehrer, Flüchtlinge und Heimatvertriebene mussten untergebracht und versorgt werden. Wohnraum, Lebensmittel
und Heizmaterial waren knapp. Trotz aller Schwierigkeiten begann das Dorfleben langsam wieder.
Erich Gutmann wurde 1945 Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Rohrau. Er führte die Gemeinde
bis zur Eingliederung nach Gärtringen im Jahr 1971.
Die 1960er-Jahre:
Wachstum und Wandel
Rohrau wandelte sich immer stärker vom reinen Bauerndorf zur Wohngemeinde. Viele Einwohner pendelten täglich zu ihren A
rbeitsplätzen außerhalb des Ortes.
1969 wurde in der Ortsmitte ein neues Rathaus eingeweiht. Das Gebäude war ein sichtbares Zeichen für die Entwicklung
und das Selbstbewusstsein der damals noch eigenständigen Gemeinde.
Gleichzeitig wurden bereits Überlegungen über eine engere Zusammenarbeit mit Gärtringen angestellt. Im Zuge der
baden-württembergischen Gemeindereform standen viele kleine Gemeinden vor grundlegenden Veränderungen.
Das neue Rathaus wurde 1969 eingeweiht
1. September 1971: Eingliederung nach Gärtringen
1975: Abschied von der alten Kirche
Da eine umfassende Sanierung zu kostspielig gewesen wäre, wurde die Kirche 1975 abgebrochen. Damit verschwand ein Gebäude,
das über 270 Jahre lang das Ortsbild geprägt hatte.
Die 1990er-Jahre:
Zwischen Tradition und Moderne
Rohrau entwickelte sich weiter zu einem beliebten Wohnort am Rand des Schönbuchs. Die Nähe zu Gärtringen,
Böblingen, Sindelfingen und Stuttgart machte den Ort besonders für Berufspendler interessant.
Rohrau heute
Geblieben sind die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat, das große ehrenamtliche Engagement und die Erinnerung
an die Generationen, die Rohrau aufgebaut und geprägt haben.
Der Ort verbindet heute:
• die Tradition eines früheren Bauern- und Handwerkerdorfes,
• eine lebendige Vereinsgemeinschaft,
• moderne Wohngebiete,
• landschaftliche Nähe zum Schönbuch,
• sowie die gemeinsame kommunale Entwicklung mit Gärtringen.